Dürfen die sich mal Hallo sagen?

Wenn wir Menschen jemand Fremdes begrüßen wollen, ist es höflich, das so zu tun: Wir nehmen Blickkontakt auf, nähern uns frontal an, lächeln und zeigen möglicherweise die Zähne und strecken die Hand aus.

Das übertragen wir nicht nur insofern auf den Hund, dass wir Menschen uns genauso frontal und Zähne zeigend (lächelnd) annähern und die Hand auf den Kopf patschen - was aber ein anderes Thema ist und worum es hier gar nicht gehen soll. Auch wird oft davon ausgegangen, dass Hunde untereinander sich genauso begrüßen möchten.

Wollen sie aber nicht. Hunde wollen sich nicht Hallo sagen. Wenn Hunde höflich sind, nähern sie sich ganz anders an: sie haben eine weiche Körperhaltung und gehen einen Bogen. Sie halten Abstand und vermeiden direkten Blickkontakt. Sie beobachten die Körpersprache und die Gerüche des Gegenübers. Und dann trennen sich die Wege auch schon wieder. Frei lebende Straßenhunde nähern sich sogar tagelang an, ohne dabei direkten Kontakt zueinander zu haben. 

Sie begrüßen sich also nicht im klassischen Sinne, sondern sammeln einfach Informationen über das Gegenüber.

Wenn wir nun unseren Hunden den Auftrag geben, dem Gegenüber Hallo zu sagen, was machen wir denn dann eigentlich? Wir schicken unsere Hunde nicht nur in die Verantwortung (zu kontrollieren, was da jetzt abgeht) sondern auch noch direkt in den Konflikt. Hunde untereinander schicken sich übrigens auch - aber nur in die Konfrontation. Es ist also komplett unlogisch aus Hundesicht, einen anderen Hund zu „begrüßen“ und dann auch noch vom Menschen dahin geschickt zu werden. Das gleiche passiert übrigens auch, wenn wir unsere Hunde dynamisch in den Freilauf schicken. Nochmal ein anderes Thema. Wir vermitteln dem Hund dadurch nur: Ich kann das nicht, kümmer du dich bitte darum. 

Wenn das dann noch an der Leine passiert, haben die Hunde den Nachteil, dass sie dadurch räumlich eingeschränkt werden, nicht weggehen können und nicht alle Formen der Körpersprache zeigen können.

Aber warum wollen die Hunde dann trotzdem immer zu anderen Hunden? Springen vor Freude in die Leine, wedeln mit dem Schwanz, machen eine Spielaufforderung… 

Sie haben es ja nicht anders gelernt. Durch (Welpen-) Spielstunden entsteht eine hohe Erwartungshaltung, andere Hunde erlangen eine unglaublich hohe Bedeutung und im Zweifel müssen sie dort schon alles allein regeln, weil der Mensch nur daneben steht und sich freut, dass der Hund heute Abend bestimmt gut schlafen kann. Grundsätzlich ist Sozialkontakt nicht immer verkehrt, wenn er denn gut angeleitet ist und die Hunde dabei lernen, sich angemessen zu verhalten. 

Hunde haben eine sehr hohe Individualdistanz von 50-100m. Zum Vergleich: Wenn wir Menschen uns mit jemand Fremdes unterhalten, liegt unsere Individualdistanz, unser Wohlfühlbereich, bei 1-2m Abstand zueinander. In unseren Städten, Dörfern und Wäldern haben die Hunde jedoch gar nicht die Chance, sich über so eine hohe Distanz und einen längeren Zeitraum anzunähern. Eigentlich leben wir alle viel zu dicht aufeinander. Für unsere Hunde sind solche nahen Begegnungen, vor allem im „eigenen“, gewohnten Territorium absolut unnatürlich. Viel zu viele Reize prasseln gleichzeitig auf den Hund ein und wenn dieser nicht gelernt hat, dass ihm das alles egal sein kann (weil er keine Verantwortung übernehmen muss), dann knallts halt schneller mal. 

Lasst eure Hunde bei euch und schickt sie nicht unnötig in den Konflikt. Im schlimmsten Fall endet das im Leinepöbeln oder Aggressionsverhalten. Sie werden es euch danken, auch wenn es im ersten Moment erstmal ungewohnt ist. Und man sich so einiges anhören darf, wenn man äußert, dass man Abstand möchte. Dann zeigt doch einfach diesen Beitrag :D 

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Mein Hund kann kein “bei Fuß” - und läuft trotzdem neben mir.